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20.12.2017

Wie kann ich mich schützen?

Unterricht in Gewaltprävention

Anstatt Mathe, Deutsch oder Englisch zu pauken, lernten die Jungen und Mädchen der Klassen 8 a, b und c an jeweils einem Vormittag im Dezember mit Kriminalhauptkommissar Peter Köstlinger, wie sie sich vor Gewalt schützen können.

„Jeder wird Opfer. Irgendwann“, stellte der 1,90 m große, schwarzgekleidete bewaffnete Polizist  mit der „markanten Frisur“ erst mal klar und lieferte mit einprägsamen Formeln, Rollenspielen, Fotos und Videos einen packenden Unterricht, den die aktiv beteiligten Schülerinnen und Schüler so schnell nicht vergessen werden.

Gewaltprävention ist wie Zähneputzen, erklärte Peter Köstlinger: „Ich mache etwas, bevor es  passiert, damit es nicht passiert.“ Prävention beginnt im Kopf. Man plant zum Beispiel, wann man mit wem wohin geht, und wie man von dort wieder sicher nach Hause kommt.

Es geht darum, nicht zum Opfer zu werden. Jugendliche unterschätzen die Situation oft, und nicht nur Jugendliche. Der Täter sei immer größer, stärker oder in der Überzahl. Der Täter brauche nur eine Sekunde, um zu wissen, wen er aussucht. Der Täter sei immer ein „feiges Schwein“. Täter wollten selbst nicht verletzt werden.

Was können Jugendliche also tun, wenn sie in das „Magnetfeld“ eines Täters geraten, das heißt belästigt, bedrängt, angegriffen oder durch Augenkontakt,  eine Provokation oder einen Befehl zu einem Täter hingezogen werden sollen? Köstlinger buchstabierte mit den Klasen die Verhaltensweisen durch, die sie sich antrainieren sollen, damit sie gesund bleiben: Ignorieren, Weitergehen oder Wegrennen, Abstand herstellen. Reden eher nicht (denn „das ist super schwierig!“), aber Schreien: „Hilfe!“, „Stopp!“, „Lassen Sie mich in Ruhe!“, „Polizei!“. Das Zauberwort „Sie“, erklärte der Präventionsspezialist, ist ein Signal für Helfer und Zeugen. Wichtig seien auch Selbstbehauptung („sich nicht klein machen!“), Aufmerksamkeit  („sichtbar werden“) und Anzeigen, bei wem auch immer: bei Eltern, Freunden, Lehrern, Schulsozialarbeitern oder der Polizei.

In einer ausweglosen Situation darf und muss man sich natürlich wehren (Notwehr). Das lerne man am besten in einem Selbstverteidigungskurs, sagt Köstlinger, denn die wenigsten Jugendlichen seien Karateweltmeisterin wie eine ehemalige Schülerin von St. Elisabeth. Und auch das Thema Zeugen und Helfer wird an realen Beispielen durchgenommen. „Denkt an das Magnetfeld!“, schärft der Polizist den Schülern ein. „Der Helfer, der dazwischen geht, ist das nächste Opfer.“ Besser als eingreifen sei: Hilfe organisieren, fünf weitere Zeugen und Helfer gewinnen und gemeinsam aus der Entfernung schreien, die Täter vertreiben, Polizei und Rettungswagen (110, 112) anrufen und dem Opfer helfen.

Unterricht lebensnah. Die Achtklässlerinnen und Achtklässler machten begeistert mit und stellten viele Fragen. Peter Köstlinger, der mit seinen Vorträgen und Unterrichtsstunden jährlich etwa 5500 Menschen aller Altersgruppen im Raum Friedrichshafen erreicht, wird ihnen auf jeden Fall in Erinnerung bleiben.

Weitere Bilder der Gewaltprävention finden Sie in der Bildergalerie

 

Weitere Hilfe und Information: „Nummer gegen Kummer“ 0800 111 0 333 Zum Anschauen: Köstlingers „Kriminelles Jugendzimmer“ in der Karlspassage Friedrichshafen (Seestraße 1), Tel. 07541/3614219