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23.11.2019

Deutschunterricht im Kiesel – Ute Wegmann erzählt aus dem Leben von Judith Kerr

In den Genuss eines besonderen Deutsch- und Geschichtsunterrichts kamen die Schülerinnen der Klassen 8a und 8b von St. Elisabeth am 7. November im Kiesel. Dort las und erzählte im Rahmen der Anne-Frank-Ausstellung die Kölner Autorin und Rundfunkmoderatorin Ute Wegmann aus dem Leben von Judith Kerr (1923-2019). Wie die neunjährige Judith 1933 mit ihrer jüdischen Familie aus Berlin fliehen musste und nach Stationen in Zürich und Paris in London eine neue Heimat fand. Wie sie Malerin und Zeichnerin wurde, eine Familie gründete und mit ihren autobiografischen Jugendromanen („Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“, „Warten, bis der Frieden kommt“, „Eine Art Familientreffen“) und ihren Bilderbüchern („Der Tiger, der zum Tee kam“, „Mog, der vergessliche Kater“ u.v.a.) fast so berühmt wurde wie einst ihr Vater, der Schriftsteller und Theaterkritiker Alfred Kerr.

Konzentriert und aufmerksam folgten fast 60 Schülerinnen über eineinhalb Stunden dem Vortrag von Ute Wegmann, sahen Fotos der Familie Kerr und hörten Tondokumente mit den Stimmen von Judith und ihrem Vater. „Mich hat sehr beeindruckt, dass Frau Wegmann so ruhig gesprochen hat“, schreibt Elisabeth aus der 8a rückblickend. „Es waren schließlich über 50 Personen anwesend. So konnte sie uns mit ihrer warmen und angenehmen Stimme verzaubern.“ Und Jana findet es erstaunlich, „dass jemand sich so gut im Leben einer Person auskennt, als sei es sein eigenes“. Sie  würde auch gerne wissen, wie Judith Kerr diese Lesung gefallen hätte und wie sie selber über ihr Leben berichtet hätte. Treffender könnte auch die Deutschlehrerin Begriffe wie „Biografie“ und „Autobiografie“ nicht beschreiben.

Lisa findet es erstaunlich, „dass Judith Kerr immer stark geblieben ist und nie aufgegeben hat, fröhlich zu sein“. Sie möchte „mehr erfahren von Hitler und was dort alles passiert ist und warum Hitler einen Hass auf die Juden hatte.“ Leonie wüsste gerne, „wie es für die war, die keine Juden waren und auch nicht gegen Juden waren. Ob sie sehr Angst hatten oder ob sie ihren Alltag einigermaßen normal geführt haben.“ Selina gefielen besonders die Bilder aus der Kindheit von Judith Kerr, das liebevolle Gedicht  ihres Vaters („Bonsoir, papa“), das im Originalton zu hören war, und der letzte Interview-Satz der fast 90-jährigen Judith Kerr, als das Mikrophon schon ausgeschaltet war: „Ich bin glücklich, das hätte ich noch sagen können.“ „Ich frage mich“, schreibt Selina, „ob sie glücklich gewirkt hat. Und es ist eigentlich auch beeindruckend, das sie trotz allem glücklich war.“

Dichter kann anschaulicher Geschichtsunterricht mit der Frage, was uns im Leben stark macht, kaum verknüpft sein. Die Schülerinnen der 8a und 8b dankten Ute Wegmann und Gloria Tirapegui Rojas, der Organisatorin der Lesung, für den spannenden Vormittag. Sofija wusste schon, dass das preisgekrönte Jugendbuch, „Als Hitler das Rosa Kaninchen stahl“, im Dezember als Film in die Kinos kommt. Das Thema wird uns noch lange begleiten.

Erdmuthe Döffinger-Lange